Chronik Band 4

Bad Aibling – Dokumente zur Geschichte der Kirchen und Schulen der Jahre 804 bis 1945

Auszug aus dem Vorwort des Verfassers, Dr. Gottfried Mayr

Der Band, der sich mit der kirchlichen und der damit verbundenen schulischen Geschichte der Stadt Bad Aibling befasst, und dessen hier vorliegender erster Teilband grundlegende Dokumente dazu vorstellt, behandelt nicht ein beliebiges Thema aus der reichen Geschichte der Stadt mit ihren verschiedenen Ortsteilen, sondern das zentrale Thema. Religion und Religionsausübung werden heute weitgehend als Privatsache gesehen; wer glauben sollte, dass diese Einstufung auch für frühere Zeiten zutrifft und damit die Beschäftigung mit der kirchlichen Geschichte die Bürgergemeinde nicht betreffe, würde einem ganz falschen Geschichtsbild erliegen. Die im Folgenden vorgestellten Dokumente zeigen in aller Deutlichkeit, dass die gemeinsame Religion die grundlegende Basis des kommunalen Lebens war und die Gesellschaft zusammenhielt. Das Kirchenjahr bot mit seinen Festen und Feiern den Rahmen, in den sich das einzelne Leben einfügte und einzufügen hatte. Die Verweigerung der Teilnahme am kirchlichen Leben hätte bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur gesellschaftlichen Isolierung geführt; sie wäre als Zeichen verstanden worden, dass der Verweigerer die Zugehörigkeit zur bürgerlichen Gesellschaft des Marktes oder zur Dorfgemeinschaft aufkündigen wollte. Die christliche Religion bot die die Menschen verbindende Weitsicht und den Rahmen der verbindlichen Moral, dazu auch die Erklärung der Welt und die Hoffnung, dass das einzelne Leben letztlich von einem unzerstörbaren Rahmen getragen sei.

Wer der Meinung sein sollte, dass die Aufarbeitung der Kirchengeschichte nicht Sache der Kommune sei, müsste die Beschäftigung mit der Geschichte der Stadt überhaupt ablehnen und ihre geschichtlichen Wurzeln ganz negieren. Eine Geschichte, die den kirchlichen und religiösen Bereich übergehen wollte, wäre einfach nur Geschichtsfälschung. Dabei gehört die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte zu den grundlegenden Aufgaben der Bürgergemeinde. Für eine Einwohnerschaft, die nur aus dem Heute und für das Heute in der Stadt Bad Aibling leben würde, gäbe es keinen Anlass, sich mit der Stadt und den Interessen der Allgemeinheit zu identifizieren. Warum sollte sie sich dem Morgen, der Lebensqualität der kommenden Bewohner verpflichtet fühlen. Geschichtliches Bewusstsein bedeutet die Absage an eine wurzellose, entwurzelte, nur auf sich bezogene Existenz und auf die Ausrichtung des Lebens nur auf den individuellen Vorteil ohne Verpflichtung gegenüber der Gesamtgesellschaft. Ein gemeinsames Gefühl der Verantwortung für die Stadt, in der man lebt, getragen vom Wissen um die historischen Entwicklungen, ist die beste Basis für das Engagement der Bürger für ihre Stadt.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte der Stadt Bad Aibling setzt die Bereitschaft voraus, die vorhandenen Quellen und Dokumente in ihrer breiten Fülle in den verschiedenen Archiven in die Hand zu nehmen und auszuwerten. Die im vorliegenden Teilband abgedruckten Dokumente ermöglichen dem historisch interessierten Leser den unmittelbaren Zugang zu grundlegendem Material, das heute vielfach wegen der oft schwer lesbaren Schrift, teilweise auch wegen der lateinischen Sprache kaum zugänglich ist. Ein wichtiges Kriterium für die Aufnahme eines Dokumentes in den vorliegenden Band war ein Umfang, der den Rahmen des Textbandes, in dem durchaus viele Quellen angeführt sind, gesprengt hätte. Keines der Dokumente berichtet nur über innerkirchliche Vorgänge; alle beziehen sich auch auf die Geschichte der Kommune Bad Aibling und der darin eingegliederten ehemals selbständigen Landgemeinden.

Der Dokumentenband ist auch ein Zeichen dankbarer Anerkennung für die große Bedeutung der Geistlichen für die Geschichte von Bad Aibling. Mit Ausnahme einer kurzen Stelle aus der Chronik des Aiblinger Marktschreibers Stephan Stürzer aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und mit Ausnahme der »Baufallschätzung« des Pfarrhofes Berbling sind alle abgedruckten Dokumente von Geistlichen verfasst. Viele Dokumente entstammen Rechtsgeschäften; aber einige Geistliche haben wirklich Geschichte geschrieben und versucht, Zusammenhänge und Hintergründe aufzuzeigen, während Stürzer und andere Marktschreiber und Politiker nach ihm nur kurze, unverbundene Notizen aneinandergereiht haben. In der Öffentlichkeit bekannt ist nur Joseph Grassinger, da seine »Geschichte der Pfarrei und des Marktes Aibling« und seine »Geschichte der Pfarrei Berbling« 1857 im Druck erschienen sind. Andere geschichtliche Darstellungen, wie des Pfarrers Dinzenhofer Aufzeichnungen zur Geschichte des Marktes Aibling, die umfassende Arbeit des Pfarrers Anton Selmar zu den Jahren 1800 bis 1804, die Aufzeichnungen der katholischen Pfarrer Heinrich und Albrecht für die Zeit vom Beginn des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und des evangelischen Kirchenrates Sperl, die vor allem für die Anfangsjahre des Dritten Reiches von Bedeutung sind, werden hier erstmals ungekürzt zugänglich gemacht. Es wäre sehr erfreulich, wenn die hier gebotene Möglichkeit der Lektüre von originalen Zeugnissen der Vergangenheit dazu beitragen würde, das Interesse, aber auch die Freude an der Geschichte zu vertiefen.

Die hier vorgelegte neue Bearbeitung der Geschichte der Kirchen und der damit bis zur Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verbundenen Schulen - die erste seit Grassinger - war nur möglich durch das Entgegenkommen der verschiedenen Archive und der dafür zuständigen Damen und Herrn, denen ein herzlicher Dank gesagt sei.

Der 2017 erschienene Band 4 ist zum Preis von 25,00 € an den Verkaufsstellen erhältlich.

Einzelpreise aller Bände:
Teil 1: 34,90 €
Teil 2: 24,90 €
Teil 3: 34,90 €
Teil 4: 25,00 €

Sonderpreis für alle 4 Bände zusammen: 99,00 €