Aus Alt mach Neu: Drei Bad Aiblinger Traditionsgastwirte

Veröffentlicht von Redaktion am 02. Juni 2020

Traditionsgastwirt Bad Aibling

Hier macht die Lage die Musik – könnte man zu den drei Gastwirtschaften sagen, die wir dieses Mal besuchen. Die Lokale verbindet eine außergewöhnliche Lage und ein wenig auch ihre besonderen Vorgeschichten. Starten wir nun mit dem ersten Traditionsgastwirt:

Der Traditionsgastwirt „Die Hofer Stub’n

Das geht ja schon gut los: „Wir haben hier oben absolute Ruhe, obwohl wir mitten im Zentrum von Bad Aibling sind“, schwärmen Michael und Biljana Walter von der Hofer Stub’n, die wirklich einmalig über den Dächern von Bad Aibling liegt.

Beeindruckend sind aber nicht nur die Lage und die weite Sicht bis zu den Ber­ gen, sondern auch die Vergangenheit des Anwesens, die Michael Walter zumin­dest zum Teil kennt: „Ganz früher einmal war hier ein Sommerkeller der Aiblinger Brauerei Wild. Seit 1914 bis heute ist es im Besitz der Familie Hofer und wurde unterschiedlich genutzt. Ich bin hier auf­ gewachsen und kenne die Hofer Stub’n schon von klein auf. Ich kann mich noch erinnern, wie sie hier früher Most gemacht und Schnaps gebrannt haben. Später gab es dann mal eine Kegelbahn, die aber ab­ brannte, und verschiedene Lokale.“

Seit 2015 führen der gelernte Koch Michael Walter und die Hotelfachfrau Biljana Walter nun schon gemeinsam die Hofer Stub’n

„Erst einmal haben wir renoviert und alles liebevoll neu hergerichtet. Uns gefällt nicht nur die Stube mit Holz aus einem alten Bauernhaus bei Miesbach, sondern auch die Terrasse, auf der man so wunderbar entspannt sitzen kann“, verraten uns die Beiden. Ihr Ziel ist es, den Gästen Entschleunigung und Ruhe zu bieten, deswegen gibt es auch nicht zu viele Plätze.

Zurück in die Küche, wo Michael Walter bis jetzt vorbereitet hat und nun für uns einen Rehrücken zubereitet. Geliefert hat ihn ein Jäger vom nahen Irschenberg. Dazu gibt es köstliche Pfifferlinge und selbstgemachte Bandnudeln mit Zucchinispiralen. Regional und saisonal, frisch gekocht für jeden Gast – das ist das Motto von Michael Walter. In diesem Fall heißt regional für ihn: „Salat, Kräuter oder auch Zucchini kommen von Biofeldern rund um Bad Aibling.“

Der Rehrücken wird erst ausgelöst und als Filet nur kurz gebraten. „Wir nehmen dafür immer unser Ghee, also Butterschmalz, das wir selbst machen. Das ist gesünder und schmeckt auch viel besser als alles, was man kaufen kann. In Indien trinkt man sogar jeden Morgen ein kleines Glas von diesem selbst gemachten Ghee, um Cho­ lesterin zu senken“, weiß der Koch. Sein nächster Tipp: „Die Pfifferlinge auf jeden Fall nur kurz anbraten, sonst werden sie zu weich, dann kommen noch Tomatenwürfel dazu und zum Schluss etwas klein gehackte Petersilie. Die Bandnudeln sind natürlich selbst gemacht und sind deswegen ganz schnell gar. Kurz bevor sie fertig sind, kom­ men die gerade geschnittenen Zucchinispi­ralen mit ins Kochwasser.“

Man merkt, dass Michael Walter mit Leiden­schaft Koch ist:

„Ich habe viele Jahre lang als Caterer und auch als Mietkoch gearbei­ tet. Außerdem haben bei mir schon über 500 Leute Kochkurse gemacht“, berichtet Michael Walter und freut sich, als unser Fotograf verrät, dass er einer davon war.

Biljana Walter ist für den Service verant­wortlich und dafür, dass alles richtig schön hergerichtet ist. Sie war früher für die Requisite bei Filmproduktionen zuständig, hatte dann acht Jahre lang das Gewürz­ geschäft „Mirakulix“ in der Kirchzeile, bevor sie und ihr Mann die Hofer Stub’n übernahmen. Das mit der Requisite sieht man auch gleich, wenn sie die Zutaten perfekt herrichtet und für das passende Ambiente bei unserem Fotoshooting sorgt. Von der Terrasse ganz zu schweigen. Die ist so bepflanzt, dass immer etwas blüht“, erzählt Biljana Walter.

Am Ende unseres Besuchs fassen die Walters zusammen: „Wir sind ein besonderer Platz für alle, die gerne gut essen und es genießen, statt Stadtlärm Vogelgezwitscher und das Plätschern unseres Teichs zu hören.“ Und man merkt, wie viel Freude es ihnen macht, über den Dächern der Stadt Gäste zu empfangen.

Die nächste Station: Der Traditionsgastwirt „Das Bräustüberl Maxlrain

Kaum zu glauben, was man aus so einer alten Apfelweinkelterei so alles machen kann. Und ziemlich verwunderlich ist auch, was aus einem ehemaligen Pferdestall werden kann. Wobei Pferdestall die Sache nicht so ganz trifft. Doch der Reihe nach: Unsere nächste Station, das Bräustüberl Maxlrain, beeindruckt mit Biergarten mit viel Grün, grandiosem Bergblick und einem Renaissanceschloss als Nachbarschaft. „Ich koche für euch mein Lieblingsgericht: Schweinsbraten“, hat Koch Houssam El Hami angekündigt. Houssam El Hami, der von allen nur Sam genannt wird, kommt ursprünglich aus Marokko und hat in Ca­sablanca das Kochen gelernt.

Nach diver­sen Stationen von Kiel bis Bayern ist er seit 2014 in Maxlrain und findet es hier ganz wunderbar.

Das können wir verstehen, denn zum einen sitzt man im Bräustüberl mit seinen original böhmischen Gewölben sehr gemütlich. Und der Biergarten mit seinen alten Kastanien ist nicht nur der größte im Landkreis Rosenheim, sondern sicher auch einer der schönsten. Bei gutem Wetter überzeugt der Blick auf die nahen Berge und sogar bei Regen sitzt man angenehm unter den großen Schirmen.

Houssam El Hami verrät uns ein paar Tipps, während er sich an de Arbeit macht: „Slow cooking ist hier das A und O. Man muss Geduld haben, so ein Schweinsbra­ten dauert schon so seine drei Stunden. Dazu gibt es – natürlich – Maxlrainer Biersauce und Semmelknödel. Gerade bei den Semmelknödeln sind die Gewürze wichtig: Muskatnuss, Majoran, Zwiebeln, Petersilie und natürlich Salz und Pfeffer.“ Auch der Schweinsbraten wird mit Majo­ ran gewürzt, dazu kommen Kümmel und Paprika, natürlich Salz und Pfeffer.

Der Schweinsbraten & der Traditionsgastwirt

Ganz traditionsgemäß ist nicht nur das Rezept für den Schweinsbraten, sondern die ganze Wirtschaft. Wirt Florian Geiger erzählt uns: „Die Schlossbrauerei Maxlrain wurde 1636 erstmals urkundlich erwähnt. Um 1900 entstand dann ein neues Brauhaus und die Produktion wur­de aus dem Schloss hierher verlegt. Seit bald 35 Jahren führt Dr. Erich Prinz von Lobkowicz das Unternehmen.“ Schon 1992 habe es erste Überlegungen für ein Bräustüberl neben der Brauerei gegeben, sagt Geiger und weiter: „Räume gab es auch, sogar mit wunderbarem böhmi­schem Gewölbe und großem Garten.

Ende 2011 wurde das Bräustüberl renoviert und Prinz Lobkowicz hat das Bräustüberl an Patrick Senger und mich verpachtet. Er wollte junge, bayerische Wirte hier haben, was uns natürlich sehr gefreut hat.“
Inzwischen ist der Schweinsbraten fertig, sieht ganz köstlich aus und ist es auch: Das Fleisch ist saftig, die Kruste schön resch und der Knödel dazu locker perfekt für die wunderbare Sauce.
Houssam El Hami kocht aber nicht nur bayerisch, sondern hat auf seinen Stationen auch die norddeutsche und die internationale Küche kennengelernt. Zuhause, verrät Houssam El Hami, kocht eher seine Frau Monika, die aus Ebersberg stammt. Aber, sagt er: „Freunde möchten oft, dass ich marokkanisch für sie koche, dann mache ich gerne Couscous“.

Unsere dritte Station: Der Traditionsgastwirt „Das Dolce Vita

Eine außergewöhnliche Lage hat auch unsere nächste Station. Um genau zu sein, vor allem die Terrasse. Sie schwebt direkt über der Glonn, einem der kleinen Flüsschen und Bäche, die durch Bad Aibling fließen. Eingeweihte ahnen schon, dass wir jetzt im D0lce Vita zu Gast sind. Früher bekannt als Osteria Pazzano. Unsere Gastgeber sind Francesco und Sascha Coniglio.

Die Osteria Pazzano war nach dem Ort benannt, aus dem Francesco stammt. Nach der Renovierung vor gut zwei Jahren wurde die Osteria umbenannt. Nun ist nicht nur die Fassade in einem eleganten Grau gestrichen, sondern auch der Name wurde in Dolce Vita geändert. Vor allem, um sich besser von den anderen italienischen Restaurants in Bad Aibling zu unterscheiden.

Bei den Erzählungen Francos merkt man gleich, dass das Dolce Vita ein Familien­betrieb ist, auch wenn Franco und Sascha das Lokal meistens alleine am Laufen halten. Franco in der Küche und Sascha im Service. Aber am Wochenende, wenn viel Betrieb ist oder wenn eine große Ver­anstaltung ansteht, ist klar, dass die Kinder und Schwiegerkinder zum Helfen kommen, so der Traditionsgastwirt.

Doch zurück in die Küche vom Traditionsgastwirt – Franco erzählt mit einem Lachen:

„Meine Panna cotta ist so berühmt, dass viele Gäste schon beim Tischreservieren welche bestellen, damit sie auf jeden Fall eine bekommen.“ Eine weitere Spezialität des Dolce Vita ist Fisch. Heute aber bereitet Franco für uns einen Vorspeisenteller und frisch gebackene Mini-­Semmeln zu. Franco sagt: „Antipasti gehen eigentlich immer und meine Panini passen einfach besonders gut dazu.“ Der Teig für die Panini wird mit ganz wenig Hefe, speziellem Mehl aus Ita­lien und etwas Wasser angerührt und darf dann 24 Stunden lang in Ruhe gehen, verrät uns Marco.

Franco und Sascha Conigilo sind gerade aus dem Urlaub zurückgekommen

Das erste Mal seit zwei Jahren waren sie wieder in der alten Heimat in Kalabrien. Von dort haben sie unter anderem Oliven und Olivenöl mitgebracht, dazu eine haus­ gemachte Salsiccia, eine Art Salami aus Schweinefleisch.

Auch die Zucchini, die Franco nun kleinschneidet, sind aus Pazzano. Sie werden mit ein wenig Mehl, Parmesan, Eiern und einem Schuss Mineralwasser gemischt. Anschließend werden sie in Öl ausgebacken und kommen als kleine Küchlein auf den Antipasti­Teller zur Salsiccia. Dazu gesellen sich wilde Ar­tischocken, die überraschend winzig sind. Franco und Sascha haben sie in Kalabrien gesammelt, eingelegt und nach Bad Aib­ling mitgenommen.

Je nach Saison kommen immer wieder an­ dere Köstlichkeiten als Vorspeise auf den Tisch. Immer aber gehören frische Zutaten dazu und alles wird frisch zubereitet – das ist Ehrensache für den Wahl­-Aiblinger.

Fünf Jahre lang hat Franco in Kalabrien eine Kochschule besucht, inzwischen ist er seit über 40 Jahren in Deutschland und seit rund 30 Jahren in Bad Aibling. Sie sind sehr glücklich in der Kurstadt, sagt Sascha, denn:

„Bad Aibling ist Heimat für uns. Hier haben wir alle unsere Freunde und unsere Gäste sind wie Familie für uns“, so der Traditionsgastwirt

Die schöne Terrasse direkt über dem Flüsschen ist bei Gästen sehr begehrt. Das kann man sich gut vorstellen: Hier ist es ruhig, kaum ein Auto fährt durch die kleine Straße, leise plätschert die Glonn – sehr meditativ. Sascha hört im­ mer wieder von ihren Gästen: „Ein Essen auf der Terrasse des Dolce Vita ist wie ein Tag Urlaub in Italien.“ Im Winter sitzt man zwar nicht über dem Wasser, aber sehr gemütlich im Gastraum, der mit vielen schwarz­weiß Fotos dekoriert ist. Sie zeigen italienische Szenen sowie Im­pressionen aus dem Leben der Coniglios und vermitteln ein unglaublich südliches Lebensgefühl.

Eine spannende Vorgeschichte weist das Gebäude, in dem das Dolce Vita heute residiert, übrigens ebenfalls auf. Wie der ehrenamtliche Archivleiter des Historischen Vereins Bad Aibling, Manfred

Schaulies, für uns recherchiert hat, hieß das Haus früher mit dem Hausnamen beim „Maurer Muckl“. Abgeleitet wurde dies von einem seiner Besitzer, dem Maurer Nepomuk Schenkl. 1880 erwarb der Maler und Fotograf Jakob Schönberger das Gebäude und eröffnete dort ein Fotoatelier. Ab 1899 folgten weitere Fotografen. So wurde aus dem Maurer Muckl­Anwesen das „Aiblinger Fotografenhaus“. Man kann wirklich was erleben beim Essen gehen in und um Bad Aibling: kulinarische Vielfalt und großen Genuss garniert mit erstaun­ lichen historischen Einblicken.

Es gibt also genug Gründe, den einen oder anderen Traditionsgastwirt zu besuchen. Oder sogar alle? Denn jeder Traditionsgastwirt möchte Sie verwöhnen. Wir wünschen Ihnen in jedem Fall den wahren Genuss und einen schönen kulinarischen Aufenthalt hier bei uns in Bad Aibling.

Weitere Empfehlungen

Bad Aibling bietet eine große Bandbreite an Cafés, Restaurants und Wirtshäusern mit bayerischer Küche von traditionell bis modern. Aber auch Vegetarisches, Veganes und Internationales stehen zur Auswahl. Alle Details zur Gastro­nomie finden Sie unter www.bad-aibling.de/Tourismus/Genuss.

Der Bad Aiblinger Bauernmarkt findet jeden Freitag von 9 bis 17 Uhr in und um die Asammühle in der Irlachstraße statt. Wenn ein Freitag auf einen Feiertag fällt, wird der Bauernmarkt auf Donnerstag vorgezogen.

Der Bad Aiblinger Wochenmarkt findet jeden Donnerstag von 8 bis 13 Uhr statt. Wenn der Donnerstag ein Feiertag ist, wird der Wochen­ markt auf den Mittwoch vorverlegt.

Bad Aibling ist auch für Allergiker ein geeigneter Kur­ und Urlaubsort. Das belegt die Zertifizierung mit dem Siegel „Für Allergiker qualitäts­ geprüft“. Wo Allergiker sorgenfrei einkaufen und essen gehen können, lässt sich unter www.bad-aibling. de/Gesundheit/Allergikerfreundlichkeit nachlesen.

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