Das Moor: Geschichte, Heilkraft, Bad Aibling heute

Veröffentlicht von Redaktion am 08. Juni 2020

Moorbad in Bad Aibling - wie alles begann

Wieder gesund werden oder gesund bleiben – das ist mit das Wichtigste im Leben. Und es gibt kaum einen besseren Ort für Ihre Gesundheit als Bayerns ältestes Moorheilbad und jüngstes Thermalbad.
Bad Aibling hat eine lange Geschichte als Gesundheitsstadt. So können wir jetzt 175 Jahre Moorbad und 125 Jahre Heilbad feiern. Unsere liebenswerte Stadt steht heute für große Gesundheitskompetenz – mit zahlreichen Ärzten, Kliniken und Einrichtungen für Kur und Rehabilitation. Aber wir ruhen uns nie auf Erreichtem aus, sondern entwickeln Bewährtes weiter und suchen stets nach neuen Ansätzen. So bietet etwa die Therme seit kurzem einen Sole Eukalyptus Raum. Mit seiner sanften Wärme und besonders reinen Luft wirkt er wohltuend und entspannend – und passt damit perfekt zum neuen Bad Aiblinger Schwerpunktangebot Entspannung, Achtsamkeit und Burnout-Prävention.

Am Anfang war das Moor

Das Doppeljubiläum 175 Jahre Moorbad und 125 Jahre Heilbad verdankt Bad Aibling vor allem einem Mann: Dr. Desiderius Beck. Er hat das Moor als Heilmittel für Bad Aibling „entdeckt“. Dabei landete er nicht einmal ganz freiwillig im damaligen Markt Aibling.

Keine Frage, Dr. Desiderius Beck und das Moor haben Bad Aibling geprägt. Ohne Moor wäre Aibling kein Bad und die Therme gäbe es auch nicht.

Moor und Heilwasser:
Das Bad Aiblinger Moor hilft unter anderem bei Rheuma, Arthrose, Ischi- as, Gicht, peripheren Durchblutungs- störungen und Bandscheibenschäden sowie bei gynäkologische Erkrankungen und Kinderwunsch. Außerdem eignet sich das Moor für die Nachbehandlung von Unfallfolgen sowie die nichtope- rative Behandlung von Prostata- und Blasenleiden. Das Heilwasser aus der Desiderius- Quelle gilt als Heilmittel in nahezu allen medizinischen Bereichen, etwa bei Rheuma, Arthrose, Neuralgien, Gelenk- entzündungen, Brüchen, Muskelrissen, Stoffwechselstörungen, Erkrankungen der Atemwege und Hautleiden.

Wie ist Bad Aibling zu seinem „schwarzen Gold“ gekommen?

Ganz einfach: Bei der letzten Eiszeit vor vielen Tausend Jahren entstand auch im Inntal ein Gletscher. Als er sich zurückzog hinterließ er den Rosenheimer See, der sich über eine große Fläche erstreckte. Im Laufe der Zeit verlandete dieser See. In den zurückbleibenden Feuchtmulden konnten abgestorbene Gräser und Moose durch den hohen Grundwasserspiegel nicht abgebaut werden und bildeten so nach und nach ein Moor. Da ein naturbelassener Moorkörper pro Jahr um etwa einen Millimeter wächst, kann man sich leicht vorstellen, dass es viele Jahrtausende für ein richtiges Moor braucht.

Wer war Dr. Desiderius Beck?

Nachdem wir nun einige Grundlagen kennen, wenden wir uns wieder Desiderius Beck zu. Er wurde am 28. Januar 1804 in Ebersberg geboren und wuchs in einer Atmosphäre großbürgerlicher Kultur auf. Er studierte an der Universität Würzburg Medizin und schloss seine Ausbildung 1826 mit einer Dissertation ab. Anschließend war er kurz Hausarzt bei einem Grafen. 1829 ließ sich Dr. Desiderius Beck als praktischer Arzt in Aibling nieder. Zwei Jahre später zog er nach Rosenheim um. Zunächst übernahm er kommissarisch die Stelle des Salinarztes. Rasch erwarb er das Chirurgenhaus am Ludwigsplatz und wurde Mitglied des Rosenheimer Rats. Nicht lange danach heiratete Beck die Tochter eines reichen Brauers, Apollonia Zollner.

Nachdem seine Hoffnung auf eine Festanstellung in Rosenheim scheiterte, ging er 1835 nach Wolfratshausen und wurde dort staatlicher Landgerichtsarzt. Zugleich betrieb er seine Rückversetzung nach Rosenheim und stellte Antrag um Antrag. 1838 wurde Aiblings Landgericht neu installiert und Dr. Beck sah hier eine Chance, Rosenheim zumindest wieder näher zu kommen.

Dazu muss man wissen, dass der Markt Aibling 1838 schwere Zeiten hinter sich hatte. Nicht nur Krieg, Seuchen, Hungersnöte und verheerende Ortsbrände lähmten das öffentliche Leben. Vielmehr war Aibling in Folge der Verwaltungsreform von Graf Montgelas 1808 sein über tausend Jahre bestehender Gerichtssitz genommen und an Rosenheim übertragen worden. Das wog besonders schwer, denn Landgerichte fällten nicht nur rechtliche Entscheidungen, sondern waren auch Vorläufer heutiger Landratsämter und Notariate.

Entsprechend viel Publikum zogen sie an, was Gewinn für Handel und Gastgewerbe bedeutete. Also versuchte der Magistrat mit allen Mitteln, das Landgericht zurück zu erlangen und hatte 1838 endlich Erfolg.

Zurück zu Dr. Desiderius Beck:

Sein Gesuch um Versetzung nach Aibling wurde schnell genehmigt. Aber seine folgenden Anträge auf eine Stelle in Rosenheim blieben ohne Erfolg und Dr. Beck musste als Königlich Bayerischer Gerichtsarzt in Aibling bleiben. So verkaufte er 1843 sein Anwesen in Rosenheim, erwarb Grund in Aibling und fing an zu bauen. Damit beginnt die Geschichte seiner „Soolen- und Moor-Schlamm-Badeanstalt“. Denn seine sowie Aiblings Zukunft sah Dr. Desiderius Beck im Moor, genauer gesagt im Moorbad.

Hier sollten wir einen kleinen Exkurs unternehmen, was es denn mit dem Heilmittel Moor auf sich hat: Moor oder auch heilende Erde wurde schon früh genutzt, etwa um Schmerzen zu lindern. Bereits der Arzt, Alchemist und Laientheologe Paracelsus hat im 16. Jahrhundert empfohlen, Moor als Heilmittel bei verschiedenen Erkrankungen einzusetzen. Und wenn man noch weiter zurückschaut, wird man bei den alten Ägyptern fündig, die bereits von der Heilkraft des Schlammes wussten. Von dort, sagt man, ist das Moorbad dann auch nach Europa gekommen. Die Soldaten Napoleons sollen die Idee mitgebracht haben, nachdem sie in Ägypten warme Moorbäder kennengelernt hatten.

Und was macht nun die besondere Heilkraft u.a. von einem Moorbad aus?

Zum einen zahlreiche Inhalte wie Hormone und Mineralstoffe. Zum anderen wird mit einem warmen Moorbad eine Art Heilfieber verursacht, das die Selbstheilkräfte des Körpers stärkt und viele weitere Prozesse im Körper aus- löst. Außerdem ist es einfach angenehm entspannend, im Moorbad zu liegen. Moor wirkt entzündungshemmend, hilft gegen Schmerzen und aktiviert die Muskeln. So hilft das Bad Aiblinger Moor bei Rheuma, Arthritis, Arthrose, Gelenkerkrankungen, aber auch bei Kinderwunschpatientinnen.

Bereits im Frühjahr 1845 also konnte Dr. Desiderius Beck nach gemeinsamen Forschungen mit einem Kollegen und einem Aiblinger Apotheker mit einem Testlauf seiner Therapie beginnen. Der war erfolgversprechend und schon bald wurde die „Soolen- und Moorschlamm-Bade- anstalt“ – die erste in Bayern – feierlich eröffnet.

Das Ende vom Bad?

Denn so richtig in Schwung kam der Badebetrieb nur schwer und rentabel war er schon gar nicht. Im Juni 1855 stand Dr. Beck vor dem Bankrott. Er verkaufte sein Bad sowie sein Wohnhaus an den Münchner Apotheker Karl Ritter von Berüff. Von da an arbeitete Dr. Beck als angestellter Arzt in dem Bad, das er gegründet hatte. Richtig glücklich machte ihn das offensichtlich nicht. Im April 1858 stritt er so heftig mit seinem Arbeitgeber, dass er als Badearzt fristlos entlassen wurde und einen Prozess wegen Beleidigung und Geschäftsschädigung am Hals hatte.

1861 wurde das Bad erneut verkauft und Dr. Beck, der inzwischen Bezirksarzt in Rosenheim geworden war, wurde als konsultierender Badearzt erneut zum Aushängeschild seines früheren Unternehmens. Aber es dauerte rund zehn Jahre, bis der Badebetrieb endlich den ersehnten Aufschwung nahm und sogar neue Kuranstalten entstanden.

Die Auszeichnung

Im Juli 1875 entschloss sich der Magistrat Aiblings, Dr. Beck zum Ehrenbürger zu machen. Auch wenn dieser seine Dienstpflichten vernachlässigte und mit seiner Streitsucht Kollegen und Verwaltung gegen sich aufbrachte, war er inzwischen doch zur Galionsfigur des Aiblinger Kurwesens geworden. So kam Dr. Desiderius Beck zu spätem Ruhm. Am 11. August 1877 starb er. Dass Aibling aufgrund des Moorbadewesens 1895 von Prinzregent Luitpold zum „Bad“ erhoben wurde, erlebt er also nicht mehr.

Seit den Zeiten von Dr. Desiderius Beck wird nun das Moor in Bad Aibling erfolgreich zum Wohl der Gesundheit eingesetzt. Aber nicht nur: Im Jahr 2007 kam das Thermalwasser der Desiderius-Quelle als weiteres Heilmittel hinzu. Das schwefel-, fluorid- und jodidhaltige Heilwasser mit seinen 39 Grad ist als Heilwasser anerkannt und wegen seiner wohltuenden Wirkung beliebt. Es gilt als Heilmittel in nahezu allen medizinischen Bereichen, wie etwa Rheuma, Arthrose, Neuralgien, Brüche, Muskelrisse, Gelenkentzündungen, Stoffwechselstörungen, Erkrankungen der Atemwege und Hautleiden.

Moorbad und mehr …

Aber auch die Therme ist in Bad Aibling kein Endpunkt. Gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München hat die Kurstadt in den vergangenen Jahren weitere Einsatzmöglichkeiten für das Moor erforscht. Entstanden sind daraus Programme für mentale Gesundheit, Stressbewältigung und Burnout- Prävention. Und schon bald wird es einen weiteren Meilenstein in Bad Aiblings Geschichte geben: Die Planungen für ein neues Moorbadehaus laufen.

 

Wir hoffen, Ihnen hat die kleine Reise in die Vergangenheit gut gefallen. Kurzum, ein Moorbad ist gut für Ihre Gesundheit. Nutzen Sie die heilende Kraft unseres Moors. Bis bald.

Update: 08. Juni 2020

Im Moor zum inneren Gleichgewicht

Die vergangenen Wochen der Coronabedingten Quarantäne wirken sich auf Körper und Psyche aus: Ängste, eingeschränkte soziale Kontakte und häusliche Mehrbelastungen haben starken Einfluss auf das Wohlbefinden und fördern emotionalen Stress.

Ob Mütter mit neuen Multitasking-Aufgaben oder 24/7-geforderte Pflegekräfte, ob einsamer Single oder Manager mit Existenzängsten – die psychischen Folgen der Pandemie treffen fast jeden.

Stressbewältigung durch Mooranwendungen

Mit dem dreiwöchigen Bad Aiblinger Präventionsprogramm finden Gestresste wieder zur Ruhe, schöpfen neue Kraft und Zuversicht, die angeschlagene Lebensqualität erhält einen „Frischekick“. Moorbäder sind dabei wesentlicher Bestandteil des komplexen „Regenerations- und Aufbau-Angebots“, wie Sie bereits erfahten konnten. Ein Bad im wohligwarmen Moor fördert somit die tiefe Entspannung des Körpers, lindert Schmerzen und aktiviert ermüdete Muskeln.

Neben Moorbädern bietet Bad Aibling mit seinem „Aufbauprogramm“ auch ein moderates Ausdauertraining sowie verschiedene Entspannungsmethoden und ein Stressmanagementseminar. Alles zusammen hilft, im Rahmen einer dreiwöchigen Rundum-Therapie wieder mentale Kraft zu tanken und zum inneren Gleichgewicht zurückzufinden.

„Wer stressgeplagt und Burnout gefährdet ist, sitzt oftmals in einem Hamsterrad und weiß nicht, wie er da wieder rauskommt“, so der Bad Aiblinger Kurdirektor Thomas Jahn. „Unser hierzu entwickelter Online-Stresstest hilft, zunächst einmal herauszufinden, ob und in welcher Größenordnung jemand von einer bedrückenden Mehrbelastung betroffen ist“, ergänzt er. Sollte der Test positiv ausfallen, empfehlen die Gesundheitsexperten von Bad Aibling, schnellstmöglich mit dem Burnout-Präventionsprogramm zu beginnen, damit Betroffene nicht noch gravierender in den Stress-Sog gezogen werden.

Wer zunächst in das Anti-Stress-Programm einmal „hineinschnuppern“ möchte, für den gibt es die Auszeitwoche: Diese beinhaltet Elemente des dreiwöchigen Stress-Präventionsprogramm wie u.a. Kursstunden im Stressmanagement und in der Achtsamkeitstherapie, Mooranwendungen und Massagen, Rückenschule, Qi Gong, Ausdauertraining, Tai Chi und progressive Muskelentspannung. Das einwöchige Recovery-Programm kostet im Kursformat (selbstverständlich unter Einhaltung strenger Hygienevorgaben) 440 Euro pro Person zzgl. Unterkunft, Verpflegung und Kurtaxe.

>> Weitere Informationen zum Aiblinger Stress-Präventionsprogramm

 

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Rheumaklinik Bad Aibling

Reha- und AHB-Fachklinik für Orthopädie und Rheumatologie Ghersburgstr. 20, 83043 Bad Aibling
Tel. +49 (0)8061 4960, Fax +49 (0)8061 496699 service@rheumaklinik-bad-aibling.de, www.rheumaklinik-bad-aibling.de Öffnungszeiten: ganzjährig; Betten: 145
Indikationen: Orthopädische, entzündlich-rheumatische, weichteilrheumatische und funktionelle Erkrankungen, Nachbehandlung von Operationen oder Unfallfolgen an Wirbelsäule und Gelenken.

Internistische Begleiterkrankungen werden mitbehandelt. Vielseitige Therapien: Medizinische Trainingstherapie (MTT), Aquajogging, Nordic Walking, Kletterwand, Körperwahrnehmungs- und Gleichgewichtstraining, Moorbäder, Kältekammer (bis zu minus 110°C) und vieles mehr.

Umfassende fachärztliche Diagnostik (z. B. Knochendichtemessung), individuelle Gesundheitsinformationen, psychologisch geleitete Seminare, Einzelgespräche und Entspannungsverfahren vervollständigen die ganzheitliche Betreuung. Für Patienten aller Rentenversicherungsträger, gesetzlich Krankenversicherte, Privatpatienten/Selbstzahler.

 

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