Ernährungsmythen auf dem Prüfstand

Avatar of Kurverwaltung Kurverwaltung - 05. Dezember 2017 - Gesundheit

Wir entlarven die legendäre Ernährungsmythen Teil 1

Ernährungsmythen - wir von der Gesundheitsstadt Bad Aibling gehen Ihnen auf den Grund

Die Zeitschriften und TV-Sendungen sind voll von Ernährungstipps, immer neuen Diäten und Berichten über sogenanntes Superfood. Wir haben einige der neuen und alten Ernährungsmythen herausgegriffen und ihren Wahrheitsgehalt überprüft. In dieser Ausgabe finden Sie den ersten von zwei Teilen.

Ernährungsmythen unter der Lupe

1) Salz

Seit Jahren wird im Zusammenhang mit Herz-Kreislauferkrankungen vor einem zu hohen Salzkonsum gewarnt. In den USA gilt für Risiko-Patienten eine tägliche Zufuhr von lediglich 1,5 Gramm als empfehlenswert. Ein moderater Konsum ist für Patienten mit Bluthochdruck sinnvoll. Der Zusammenhang zwischen Salzkonsum und dem Risiko für Herz-Kreislaufstörungen ist jedoch U-förmig. Das bedeutet, dass eine zu starke Reduktion der Salzzufuhr nicht nötig ist. Vor allem bei Gesunden kann die zu starke Drosselung sogar kontraproduktiv sein. Laut einer Metaanalyse (= gesammelte Auswertung der Daten mehrerer Studien) ist die Aufnahme von 4 bis 5 Gramm pro Tag optimal. Einschränkend muss bei dieser Auswertung erwähnt werden, dass die Methode, mit der die Wissenschaftler die aufgenommene Salzmenge abgeschätzt haben, von anderen Autoren kritisiert wird.

2) Cholesterin

Über Jahrzehnte wurde gepredigt, man solle sich möglichst cholesterinarm ernähren, um negative Auswirkungen auf die Gesundheit zu vermeiden. In einer Studie (1968-1973), die dieser Empfehlung zugrunde liegt, wurden die Probanden (stationär) in zwei Gruppen gelost, wovon die eine normale Verpflegung bekam und in der anderen die Fette zugunsten ungesättigter Fettsäuren ausgetauscht wurden. Nun haben Wissenschaftler die Daten dieser Studie neu ausgewertet. Aus diesen neuen Ergebnisse lesen die Autoren heraus, dass der Austausch von Fettsäuren zwar in der Lage ist, den Cholesterinspiegel im Blut zu senken. Die positiven Auswirkungen auf das Risiko von Herzinfarkten konnte jedoch nicht gezeigt werden. In dieser großen randomisiert kontrollierten Studie wurden die cholesterinreichen Lebensmittel durch Maiskeimöl, welches mit Linolsäure angereichert war, ausgetauscht. Die eingesetzte Linolsäure wurde industriell hergestellt und nun wird sogar der Verdacht diskutiert, ob diese industriell produzierten Fettsäuren sogar das Risiko erhöhen können.

Die Aussagekraft der Studie bleibt insgesamt fraglich: So waren die Studienteilnehmer stationär in einer Einrichtung aufgenommen und ihre Ergebnisse können nicht 1:1 auf die Gesamtbevölkerung übertragen werden. Außerdem reduzieren mehrfache Auswertungen von Studiendaten deren Aussagekraft. In anderen Studien wird der über die Nahrung aufgenommenen Menge an Cholesterin nicht einmal eine große Auswirkung auf das Cholesterin im Blut eingeräumt.

3) "Man soll viel trinken"

Der Körper besteht hauptsächlich aus Wasser. Ungefähr 1,5 Liter scheidet er pro Tag aus. Diese Menge sollte man dem Körper zur Verfügung stellen. Übertriebenes Trinken bringt jedoch keine großen Vorteile. Eine zu hohe Wasseraufnahme kann sich sogar negativ auswirken, denn dadurch werden Mineralstoffe aus dem Körper geschwemmt.

Als Faustregel gelten 1,5 bis 2 Liter pro Tag, orientiert an dem individuellen aktuellen Bedarf: Bei sportlicher Betätigung oder extrem heißem Wetter verliert der Körper mehr Wasser und man sollte ihm entsprechend mehr Wasser und Mineralstoffe zuführen. Besonders wichtig ist die bedarfsgerechte Zufuhr von Flüssigkeit auch bei Durchfall, auch hier in Kombination mit Elektrolyten. Kaffee wird seit mehreren Jahren übrigens in die Flüssigkeitsbilanz mit eingezogen.

4) Superfood

In regelmäßigen Abständen werden exotische Lebensmittel (Avocado, Spirulina, Quinoa, Goji-Beeren, ...) zum Superfood, Fitmacher und dergleichen erkoren. Ein aktueller Trend hat die Chiasamen im Fokus. Noch vor ein paar Jahren hat bei uns niemand diese Samen gekannt; sie waren höchstens in Bioläden, Reformhäusern oder über Online-Versand erhältlich. Heute bekommt man sie – stets zu einem stolzen Preis – im Supermarkt um die Ecke und sogar der Bäcker bietet Semmeln mit Chiasamen an. Die Samen werden aufgrund ihrer vorteilhaften Komposition von Fettsäuren und als Quelle für hochwertiges Eiweiß sowie als genialer Sattmacher angepriesen.

Doch auch der heimische Leinsamen ist reich an Omega-3-Fettsäuren und Protein und zu einem deutlich niedrigeren Preis erhältlich. Noch ein weiteres Merkmal verbindet Leinsamen und Chiasamen: die kleinen Kerne haben ein enormes Quellvermögen. Das bedeutet, dass sie unter Zugabe von Wasser aufquellen und eine dicke Schleimschicht bilden. Diese Fähigkeit bedingt einerseits ihre gute sattmachende Wirkung, andererseits die Verdauungsanregung. Gleichzeitig birgt sie jedoch die Gefahr, dass die Kerne ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr sogar Verstopfungen verursachen können. Trocken aufgenommene Kerne quellen dann erst im Verdauungstrakt auf und entziehen dem Körper Wasser, wenn dieses nicht ausreichend zur Verfügung steht (das gilt übrigens auch für Trockenobst). Wenn die trockenen Kernchen im Hals kleben bleiben und dort aufquellen, kann das im schlimmsten Fall zu Schluck- und Atembeschwerden führen. Aus diesem Grund sollte man beide stets eingeweicht oder nur in geringen Mengen zu sich nehmen.

5) Nahrungsergänzungsmittel

„Wer sich abwechslungsreich und ausgewogen ernährt, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel. Die Lage ist anders bei Mangelzuständen: Hier kann eine gezielte Ergänzung durchaus sinnvoll sein.“

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