Chronik

Die Chronik von Bad Aibling

Ansicht auf das Erbpflegeschloss Aybling im Jahre 1745

Unsere Stadt an der Mündung der Glonn in die Mangfall, heute eines der bedeutendsten Moorbäder Deutschlands, blickt auf eine mehr als zweitausendjährige Geschichte zurück. Funde aus der Steinzeit und der Bronzezeit beweisen, dass unsere engere Heimat schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Illyrische Volksstämme wurden um 500 v. Chr. von eindringenden Kelten aufgesogen. Als 15 v. Chr. die Römer unser Gebiet in Besitz nahmen, wurden auch die keltischen Stämme in den folgenden Jahrhunderten völlig romanisiert. Im Bereich des Bichl weisen Funde auf eine dörfliche Siedlung hin.

Mit dem Schwinden der römischen Macht drangen um 470 Bajuwaren in das mehr oder minder schutzlos gewordene Land ein. Auf dem Hofberg entstand ein Hof für die Herzöge aus dem Geschlecht der Agilolfinger. Als erster Grundherr der benachbarten bajuwarischen Dorfsiedlung ist ein Edler namens Epino, ein Vasall der Agilolfinger anzusehen.

Im Jahr 788 wurde nach Absetzung Tassilos III., des letzten Herzogs aus dem Geschlecht der Agilolfinger, der Hof in Aibling von den Karolingern konfisziert und in einen Königshof umgewandelt. Urkundlich erscheint unsere Stadt erstmals am 13. Januar anno 804 als Epininga. Daraus entstand in Sprachabwandlung Epilinga - Eibilinga - Aybling - Aibling, der Name unserer Stadt.

Mit dem Ende der Herrschaft der Karolinger in Deutschland verlor auch der Königshof Aibling an Bedeutung. Heinrich der Heilige, der letzte Kaiser aus dem sächsischen Geschlecht, griff auch auf den Sitz Aibling zurück, als er das Bistum Bamberg gründete. Von ca.1000 - 1200 an taucht in den Urkunden der Begriff "Vogtei Aibling" auf. Aibling war Verwaltungssitz für die oberbayerischen Ländereien des Bistums Bamberg. Die Zeit, für die Aibling in den Urkunden als Vogtei genannt wird, zeichnet sich auch durch interessante kirchenrechtliche Vorgänge aus. In dieser Zeit wandelt sich die Kirche am Hofberg von einer Hofkapelle zu einer Laienkirche, die aber erst 1268 die Rechte einer Pfarrkirche an sich bringen konnte. Über lange Jahrhunderte hinweg war das Gotteshaus auch Hauptkirche des Dekanats Aibling, das in seiner größten Ausdehnung bis an den Inn bei Rattenberg in Tirol reichte.

Der Verfall des auf dem Lehensprinzip aufgebauten Reiches rief in Bayern immer mehr die Wittelsbacher auf den Plan. Aibling kam 1200 unter die Herrschaft der Wittelsbacher Herzöge, wobei der Ort in der Länderteilung von 1255 an Herzog Ludwig II. den Strengen fiel, der 1269, 1270 und 1271 hier weilte. Seit ca. 1300 Pflegamt, fiel Aibling 1310 an Herzog Rudolf, später an Ludwig den Bayern, welcher 1321 seinen getreuen Bürgern im Markte Eiblingen das Münchener Stadtrecht verlieh. Schon 1244 als Markt beurkundet, erfolgt 1424 sowie 1442 die Bestätigung des Marktes und 1481 die Erteilung der Marktfreiheit. Am spätmittelalterlichen Handel nahm der Markt Aibling nur regionalen Anteil, da das verkehrsgünstiger gelegene Rosenheim im Schnittpunkt von Salzstraße und Innschifffahrt dominierte. Not- und Kriegszeiten trafen unsere Heimat besonders schwer. So hauste 1564 - 1634 "das große Sterb", die Pest, die zwei Drittel der Bürger hinwegraffte. Am 13. Juni 1648, als die Schweden unsere Heimat besetzen, kam es zu Kampfhandlungen, es gab unter der Bürgerschaft viele Tote und Verletzte, der Ort wurde geplündert. Bei der zweimaligen Besetzung durch die Österreicher, im Spanischen Erbfolgekrieg 1704/1705 sowie im Österreichischen Erbfolgekrieg 1742, hatte der Ort hohe Abgaben zu zahlen. Einen großen Blutzoll leistete der Markt darüber hinaus 1705, als den Wittelsbachern treue Bürger und Bauern versuchten, die österreichische Besatzung aus München zu vertreiben und in der Mordweihnacht zu Sendling vernichtend geschlagen wurden. Aus dem Landgericht Aibling waren viele Männer dem Aufgebot gefolgt. Verheerende Brände herrschten in den Jahren 1498, 1503, 1730, 1747, 1765 und 1811.

Wie überall in Bayern so wurde mit dem Jahre 1800 auch das Aiblinger Pfleggericht in ein Landgericht umgewandelt. 1807 ging das Landgericht Aibling im Landgericht Rosenheim auf. Erst 1838 konnte die Gerichtsbarkeit auf dauerndes Drängen der Aiblinger auf dem Hofberg im alten Pflegschloss, an dem inzwischen umfangreiche Reparaturarbeiten vorgenommen worden waren, wieder eingerichtet werden.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts lebte Aibling in einer verträumt bescheidenen Idylle, wie sie nur eine lange Friedenszeit hervorbringen kann. In dieser Zeit, in der sich die europäische Welt in ihrer ersten industriellen Aufschwungphase befand, erkannte im alten Aibling der Landgerichtsarzt Dr. Desiderius Beck, ein einsatzfreudiger und weitblickender Mann, die Heilkraft des umliegenden Moores. In einem einstöckigen Badehaus eröffnete er 1845 seine "Soolen- und Moorschlamm-Badeanstalt". Nach 50 Jahren Badebetrieb erfolgte im Jahre 1895 die öffentliche Anerkennung. Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold, des Königsreichs Verweser, "haben allergnädigst zu genehmigen geruht, dass der Markt Aibling künftig den Namen 'Bad Aibling' führe". Zu dieser Zeit gab es mit den Häusern Ludwigsbad, aus der ersten Badeanstalt hervorgegangen, Wittelsbach, Theresienbad und Wilhelmsbad vier bedeutende Kurhotels. Dem Bauboom der Gründerzeit verdankt Aibling zahlreiche schöne Villen. Prominente Leute hielten sich zur Kur in Aibling auf. So der berühmte bayerische Dialektdichter und Mineraloge Franz von Kobell, der Kriegsminister von Maillinger, der Fürst von Thurn und Taxis, der immer in Begleitung seines Leibarztes kam, und der Herzog von Württemberg. Der Maler Wilhelm Leibl war zusammen mit seinem Freund, dem Landschaftsmaler Johann Sperl, zwei Jahrzehnte lang ein trinkfester und geselliger Stammgast im Gasthof Lindner

Am 01. April 1933 wurde der Markt Bad Aibling zur Stadt erhoben.

Mit der Landkreisgebietsreform im Jahre 1972 und der damit verbundenen Auflösung des Landkreises Bad Aibling verlor der Ort wichtige Teile seiner bis auf die Zeit der Agilolfinger zurückreichenden überörtlichen Verwaltungsfunktionen. Demgegenüber erbrachte die Eingemeindung der Gemeinden Ellmosen, Mietraching und Willing 1973 und 1978 im Zuge der Gemeindegebietsreform einen erheblichen Zugewinn.

Heute wird Bad Aibling mit seinen 18.000 Einwohnern in der zentralörtlichen Gliederung Bayerns als Mittelzentrum eingestuft.

Dr. Keitz
Altbürgermeister