Chronik Band 3

Bad Aibling – Dokumente 1929 bis 1949


Der Markt Bad Aibling wurde am 1. April 1933 zur Stadt erhoben. Zum 75-jährigen Jubiläum der Stadterhebung beauftragte die Stadt den Historiker Dr. Gottfried Mayr, eine Ausstellung von Dokumenten zu ihrer Geschichte im Dritten Reich zu erarbeiten. Um zu zeigen, dass das Dritte Reich nur in der Kontinuität der deutschen Geschichte richtig verstanden werden kann, wurden auch die Vorgeschichte und die Folgen der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft einbezogen. Die Dokumentation setzte mit dem Jahr 1929 ein, mit dem Jahr, in dem die vor allem von einem Börsenkrach in New York („Schwarzer Freitag“ 25. Oktober 1929) ausgelöste Weltwirtschaftskrise die Endphase der Weimarer Republik einleitete, und endete mit dem Jahr 1949, in dem mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wieder eine demokratische deutsche Republik geschaffen wurde. Die im Rathaus ausgestellten Dokumente fanden großes öffentliches Interesse; dabei wurde immer wieder der Wunsch geäußert, diese auch in gedruckter Form den geschichtlich interessierten Bürgern zur Verfügung zu stellen. Stadtrat und Bürgermeister griffen diesen Vorschlag gerne auf. Daraus entstand der dritte Band von „Bad Aibling – Geschichte einer Stadt“ mit dem Titel „Bad Aibling – Dokumente 1929 bis 1949“.


Die für den Druck ausgewählten Dokumente wurden in Themengebieten zusammengefasst, dabei wurden auch Stücke berücksichtigt, die aus Raumgründen in der Ausstellung nicht gezeigt werden konnten. Dem Werk ist eine Übersicht „Der historische Rahmen“ vorangestellt, in dem für die Jahre 1929 bis 1949 die wesentlichen geschichtlichen Ereignisse und Personen dargestellt sind. Der Leser kann damit die Dokumente in ihrer geschichtlichen Zusammenfassung einordnen.


Die Dokumente des ersten Kapitels „Abt Schachleiter im Aiblinger Raum“ stellen diesen Benediktinerabt, der ein fanatischer Nationalsozialist war, und die Auswirkungen seiner Person auf das Verhältnis zwischen Nationalsozialismus und Christentum im Aiblinger Raum vor. Alban Schachleiter hätte offiziell im Leoheim in Bad Aibling Wohnung nehmen müssen, hielt sich aber meist bei einem gleichgesinnten, zunächst evangelischen, dann aus der Kirche ausgetretenen Ehepaar in Bad Feilnbach auf.
Das zweite Kapitel „Ausschaltung und Gleichschaltung“ fasst Dokumente zur Ausschaltung von Gegnern des Nationalsozialismus zusammen. Aus die massive Unterdrückung der Kirchen und die Ausschaltung des Bad Aiblinger Bürgermeisters Dr. Noll sind in diesem Kapitel behandelt. Im dritten Kapitel „Leben im Dritten Reich in Bad Aibling“ sind vor allem Dokumente zu den nationalsozialistischen Feier- und Gedenktagen und zum Winterhilfswerk abgedruckt. Hier sind auch die Hitlerjugend und der SS Sturm 4/34 Bad Aibling berücksichtigt.


Das vierte Kapitel behandelt den Themenbereich „Stadt und Landkreis  Bad Aibling unter amerikanischer Militärverwaltung“. Aus der Fülle der Berichte, die in dieser Zeit erstattet werden mussten, wurden die aussagekräftigsten Quellen ausgewählt. Dabei sind die Wochenberichte des Landrats des Landkreises Bad Aibling an die amerikanische Militärregierung in Bad Aibling, für die der Landrat jeweils Wochenberichte der Bürgermeister seines Kreises anforderte, von zentraler Bedeutung. Von den Bürgermeistern der Stadt Bad Aibling sind daneben im Archiv der Stadt aufschlussreiche Berichte an den amerikanischen Nachrichtendienst (CIC) in Bad Aibling erhalten. Wichtig sind auch die regelmäßigen Berichte des Landrats an den Regierungspräsidenten in München. Auch die amerikanische Militärregierung in Bad Aibling hatte regelmäßig an ihre vorgesetzte Dienststelle Bericht zu erstatten: es gibt amerikanische Wochen-, Monats-, Vierteljahres- und Jahresberichte. Sie zeigen die Entwicklung in der Stadt Bad Aibling und im Aiblinger Raum in der Sicht der Besatzungsmacht.


Als Anhang sind folgende umfangreichere Dokumente abgedruckt: der erste Jahresbericht der amerikanischen Militärregierung Bad Aibling vom 20. Mai 1945, dem Tag der Einrichtung dieser Dienststelle, bis zum 30. Juni 1946 – ein äußerst aufschlussreiches Dokument für die unmittelbare Nachkriegszeit und die Seelsorgeberichte des Bad Aibling Stadtpfarrers Jakob Albrecht für die Jahre 1947, 1948 und 1949.


Der Abdruck aller Dokumente im originalen Wortlaut ermöglicht den unmittelbaren Zugang zu einem wichtigen Abschnitt der Geschichte der Stadt Bad Aibling, die damals auch Sitz eines eigenen Landratsamtes war. Der Leser kann sich sein eigenes Urteil über eine Zeit bilden, die geprägt ist vom Untergang einer Demokratie, von einer harten Diktatur, die auch nicht von der Entfesselung eines Krieges zurückschreckte, und vom Wiederaufbau eines demokratischen Staates.


Der 2010 erschienene Band 3 ist zum Preis von 39,90 € (Ganzgewebeband/Irisleinen mit Silberprägung und Schutzumschlag, 592 Seiten, Format DIN A4) an den Verkaufsstellen erhältlich.